Vermeiden Sie Katerstimmung im Betrieb
Das Verführerische am Aufschwung ist der Aufschwung selbst. Dieses daran Teilhaben und Mitmachen. Das kann berauschend sein. Doch wie jeder Rausch vernebelt auch dieser Aufschwung die Sinne, die Wahrnehmung und den Blick für das wirklich Wichtige. Damit nach dem Aufschwung keine Katerstimmung aufkommt, ist es geschickt, frühzeitig zu prüfen, an welchen Stellen der Blick vernebelt sein könnte.
Nachfrageboom verschiebt Innovationen
Der aktuelle Aufschwung erklärt sich aus dem allgemeinen Nachholbedarf an Wohlstand, national wie international. Es werden vorwiegend Produkte und Leistungen angeschafft, auf die in der zurückliegenden Krise verzichtet wurde, und keine wie auch immer gearteten Technologiesprünge eingefordert. Woher sollen somit der Wunsch und der Druck kommen, Innovationen zu entwickeln, die das Wachstum von übermorgen absichern?
Alltag erschwert strategisches Denken
Die Unternehmen fahren Sonderschichten, kürzen Werksferien und steigern die Überstunden. Denn jetzt geht es darum, die Aufträge zeitnah und möglichst wirtschaftlich abzuarbeiten. Alles andere muss warten. Wer hat in den Unternehmen momentan die Zeit, sich um neue, relevante Themen zu kümmern, die das Unternehmen weiter bringen, bevor der nächste Abschwung kommt?
Bevölkerung will keine Veränderung
Gemäß den bahnbrechenden Erkenntnissen der Neurowissenschaftler lässt sich die Bevölkerung in Deutschland nach ihrem bevorzugten Alltagsverhalten faustgrößenartig wie folgt einteilen:
Das bedeutet, dass die „Daniel Düsentriebe“ einer gesellschaftlichen Minderheit angehören. Damit erfolgt der Wettkampf der Innovationen auf einem sehr niedrigen Niveau, weil sich nur ein geringer Anteil der Menschen daran beteiligt.
Niemand weiß, wie sich unsere Gesellschaft entwickeln würde, wenn sich die Anteile z.B. zugunsten der Entdecker und Verfolger verändern würden. Wer kümmert sich um diesen Zusammenhang? Denn aus diesen Erkenntnissen lassen sich viele neue Ansätze für die Ausbildung und Qualifizierung sowie für das allgemeine Miteinander ableiten.
Die ideale Positionierung
Viele Branchenverbände bieten ihren Mitgliedsunternehmen Leistungsvergleiche der wichtigsten Kennzahlen. Dabei lässt sich in allen Branchen eine ähnliche Verteilung feststellen:
Die größte Chance, die eigene Position zu verbessern, besteht darin, der Erfolgreichste in der eigenen Gruppe zu werden und den Anschluss an die nächste Gruppe zu suchen. Doch wer hat in seinem Unternehmen ein derartiges Strategieprogramm installiert?
Projektionsfläche bieten
Die Münchener Tatort-Kommisare Leitmayr und Batic berichteten bei einem Auftritt bei „Beckmann“: Sie dürfen im Film keine Partnerinnen oder Familie haben, damit die beiden Typen ausreichend Projektionsfläche für die weiblichen Zuschauerinnen bieten. Damit lässt sich der Marktanteil beim weiblichen Publikum signifikant steigern.
Das gleiche Prinzip wiederholt sich pro Tag zig Mal an anderen Beispielen: Beim Kauf einer neuen Maschine, eines neuen Autos, eines neuen Anzuges, einer Uhr, einer Flasche Wein oder der Wahl eines Restaurants für ein Geschäftsessen. Mit der Entscheidung für etwas ist auch immer ein Gefühl der Identifikation und der Zugehörigkeit verbunden. Bieten unter Volllast fahrende Unternehmen auch im Aufschwung ausreichend Projektionsflächen, um schon heute die Sehnsucht der Kunden von morgen zu wecken? Wer erst im nächsten Abschwung damit anfängt, ist hierfür zu spät dran.
Dieses allgemeine Beharrungsvermögen ist es, mit dem sich viele Unternehmen das Leben selbst schwer machen. Und während der Aufschwung voll am Laufen ist, treffen die einen schon Vorsorge für die Zeit danach, wohingegen die anderen das für unnötigen Aktivismus halten.
Christian Kalkbrenner restrukturierte zahlreiche Unternehmen und verhalf ihnen mit schlagkräftigen Marktkonzepten zu neuen Erfolgen. Er ist Autor mehrerer Fachbücher, unter anderem von "Die Wachstums-Champions – Made in Germany" (BusinessVillage-Verlag).
17. Januar 2011
Kommentar abgeben
Weitere Kolumnen 2012
-
Brita SeggerPR als Schlüssel zum Erfolg
-
Markus FeinendegenBetrieblichen Datenschutz richtig umsetzen
-
Lars RichterBasel III kommt – was unternehmen?
-
Joachim SeckerWie und wo der Mittelstand investiert
-
Stefan HamannSo wird Ihr Online-Shop ein Erfolg
-
Holger SchlodeFehler beim Unternehmertestament vermeiden
-
Prof. W. Edelfried SchneiderUmsatzsteuer – Füllhorn für den Staatssäckel?
-
Bernd SteglichÜberzeugen mit barrierefreien Dokumenten
-
Werner WarthorstZwang zur Größe
-
Carl-Dietrich SanderVersicherungen als Finanzierungsinstrument
-
Kerstin OttDie Frauen kommen
-
Paul-Vincent AbsWie ein Strom-Knigge beim Sparen hilft
-
Rainer FlakeAls Führungskraft Flagge zeigen
-
Julia VossZusammenarbeit von Teams verbessern
-
Eckart Langen v. d. GoltzZum Wachstum verdammt
-
Jan Pieter de GraafWas Beteiligungskapital im Mittelstand leistet
-
Dr. Gerhard KurzDas Geschäft mit dem Jahresabschluss
-
Ulrich PöhnerWenn Technik Tradition hat
-
Patrick RackyWo hält sich Ihre Zielgruppe auf?
-
Angela KisselLernziel Lebensglück – willkommen im neuen Jahr!












Es liegen noch keine Lesermeinungen vor